Bürostuhl kaufen – So findest du das optimale Modell

Du möchtest einen neuen Bürostuhl kaufen, weißt aber noch nicht, welches Modell und auf was du achten sollst? Dann helfen dir die folgenden Tipps garantiert weiter.

Tipps zum Kauf eines neuen Bürostuhls

Günstig oder teuer?

Die gängigen Onlineshops wie Amazon & Co. bieten Bürostühle oft schon für unter 100 € an. Und nicht selten sind diese Modelle mit zahlreichen Top-Bewertungen ausgezeichnet. Aber hier ist Vorsicht geboten! Einerseits sind die Rezensionen nicht immer ganz objektiv, da mittlerweile bekannt ist, dass viele davon gekauft sein könnten (man erhält das Produkt kostenlos, wenn man eine positive Bewertung abgibt). Andererseits fehlt auch einfach die Expertise.

Ein guter Bürostuhl fürs Home Office oder Büro im Unternehmen muss nicht unbedingt teuer sein. Wichtig ist, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Und das ist der Fall, wenn der Stuhl garantiert für einen 8h-Arbeitstag ausgelegt ist und sich möglichst optimal an die eigenen Bedürfnisse anpassen lässt.

Es kommt also auch immer auf den Einsatzzweck an. Mit den eben beschriebenen Voraussetzungen möchte ich die Frage „Wie viel kostet ein guter Bürostuhl?“ konkreter beantworten:

  • ab 300 €
    Dies ist der Einstiegsbereich, ab dem ein wirklich qualitativ hochwertiges Produkt erwartet werden kann. Bürostühle ab 300 € werden meist mit einer ergonomischen Grundausstattung angeboten – Sitzhöhenverstellung, einfache Synchronmechanik, Lordosenstütze, höhenverstellbare Armstützen.
  • ab 500 €
    Bürostühle ab 500 € glänzen mit einer besseren Ergonomie. Oft ist eine bessere Synchronmechanik (hochwertiger, andere Technologie) verbaut. Außerdem lässt sich die Lordosenstütze in den Position verstellen, der Sitz ist anpassbar und es sind 2D-Armlehnen (manchmal auch 3D) verbaut.
  • ab 600 – 700 €
    In der oberen Preisklasse ist das Hauptaugenmerk vor allem auf die Bereiche Ergonomie, Design und qualitative Materialauswahl gelegt. Diese Bürostühle bieten meist die beste ergonomische Einstellmöglichkeiten. Sie lassen sich sehr individuell anpassen. Außerdem finden sich hier auch oft besonders außergewöhnliche, dynamische Modelle sowie wirklich sinnvolle Bürostuhl Alternativen.

Ergonomische Einstellmöglichkeiten

Eines der wichtigsten Kriterien beim Kauf eines neuen Bürostuhls sind die vorhandenen Einstellmöglichkeiten. Nur ein ergonomischer Bürostuhl ist dafür geeignet, bis zu 8h täglich im Einsatz zu sein. Das Sitzmöbel soll die natürliche Haltung im Sitzen unterstützen und Bewegung im angemessenen Verhältnis zur Arbeitsaufgabe ermöglichen bzw. sogar fördern.

Je mehr der folgenden Einstellmöglichkeiten der Bürostuhl besitzt, desto besser. Wie eben schon erwähnt, kann aber auch ein Modell um ca. 300 € mit einer ergonomischen Grundaustattung ausreichend sein.

  • Sitzhöhe
  • Sitztiefe und Sitzneigung
  • Rückenlehne mit Lordosenstütze (verstellbar in Position und Stärke)
  • Möglichst dynamische Rückenlehne (hochwertige Synchronmechanik)
  • Verstellbare Armlehnen (verstellbar in Höhe, Breite, Tiefe und Winkel)
  • Nacken- und Kopfstütze (kein Muss, ist aber sinnvoll für regelmäßige Entspannungsphasen beim Sitzen)

Der beste Bürostuhl nützt aber nichts, wenn er aufgrund von Unwissenheit oder schlichter Überforderung nicht richtig eingestellt wird. Deshalb gibt es mittlerweile auch Bürostühle, die mit nur wenigen Einstellmöglichkeiten ausgestattet sind. Trotzdem sind sie ergonomisch. Die Idee der Hersteller ist, auf Einfachheit zu setzen. Ein solches Beispiel ist der Interstuhl PURE. Er passt sich automatisch an die Nutzerin bzw. den Nutzer an und fördert ganz aktiv das dynamische Sitzen.

Ergonomischer Bürostuhl – Dynamische Rückenlehne
Dynamische Rückenlehne mit dreidimensionaler Beweglichkeit (hier der PURE)

Bürostuhl für große und kleine Menschen

Die Körpergröße ist ein wesentliches Merkmal, wenn es darum geht, den passenden Bürostuhl zu finden. Hersteller orientieren sich an den Durchschnittsmaßen von Männern und Frauen. Danach werden dann Modelle entwickelt, die für den Großteil aller Personen passend sind. Möglich ist dies auch deshalb, weil die Stühle individuell anpassbar sind (wie eben erwähnt).

Was aber, wenn du um einiges kleiner oder größer als der Durchschnitt bist? Auch hier gibt es das passende Modell. Du solltest aber schon im Voraus mindestens zwei Maße überprüfen: die Ober- und Unterschenkellänge. Hiervon lassen sich zwei Werte ableiten, die dann mit den Produktmerkmalen des gwünschten Modells verglichen werden können.

  • Sitzhöhe
    Die Unterschenkellänge plus Fuß und Schuhsohle ergeben die empfohlene Sitzhöhe. Reicht die verstellbare Höhe (Minimal- und Maximalwert) um Deine beiden Füß flach auf dem Boden abstellen zu können? Bei kleinen Menschen lässt sich die Gasfeder womöglich nicht tief genug absenken. Ist dies das einzige Maß, welches nicht passen sollte, empfiehlt sich, den Hersteller zu kontaktieren. Oft gibt es die Möglichkeit, die Standardgasfeder durch eine passende auszutauschen.
  • Sitztiefe
    Es muss möglich sein, die Sitztiefe optimal auf Deine Bedürfnisse einstellen zu können. Hier scheitert es dann aber oft, und das gewünschte Modell fällt aus der Liste. Denn so einfach wie bei der Gasfeder lässt sich die Sitzschale nicht austauschen.
    Entsprechend sollte dann gezielt nach einem Bürostuhl für große bzw. kleine Menschen gesucht werden.
Ergonomischer Bürostuhl – Sitztiefe und Sitzneigung
Einstellung der Sitzschale

Und zuletzt spielt auch die Rückenlehne eine wichtige Rolle. Ist sie fest, muss sie in ihrer Höhe bis mindestens zu den Schultern reichen. Dieser Wert ist natürlich vor allem für große Personen relevant.

Bürostuhl bei körperlichen Beeinträchtigungen

Ergonomische Bürostühle sind vorwiegend für gesunde Menschen gemacht – und sie sollen dafür sorgen, dass dies auch so bleibt. Aber was, wenn du mit einer körperlichen Beeinträchtigung zu leben hast? In diesem Fall muss das Problem ganz individuell betrachtet werden. Es gibt nicht die eine Lösung bzw. Empfehlung für das eine gewisse Modell.

  • Hohlkreuz (Hyperlordose)
    Wenn du unter einem Hohlkreuz leidest und einen passenden Bürostuhl suchst, solltest du darauf achten, dass dieser mit einer guten Lordosenstütze ausgestattet ist. Jene muss in der Höhe und sollte vor allem auch in der Stärke einstellbar sein. Dadurch kann die stärkere S-Form der Wirbelsäule nachgebildet und so die notwendige Stützwirkung hergestellt werden.
  • Bandscheibenvorfall
    Du leidest unter einem Bandscheibenvorfall? Dann suchst du wahrscheinlich nach einem Bandscheibenstuhl der Deine Bandscheiben entlasten kann. Das Tolle: ein guter ergonomischer Bürostuhl ist in der Lage, genau dieses zu tun. Denn dafür werden sie entwickelt und genutzt – um möglichst viel Belastung aus der Wirbelsäule und den einzelnen Bandscheiben zu nehmen.
    Je nach Lokalisation des Bandscheibebenvorfalls, kannst du jedoch noch gezielter suchen. Ist der Vorfall in der Halswirbelsäule (HWS), empfiehlt es sich, einen Bürostuhl mit Kopfstütze zu nutzen. Wichtig ist, dass diese einstellbar ist. Wenn die Schmerzen eher in der Lendenwirbelsäule (LWS) sind, eignet sich womöglich ein spezieller Stuhl wie der HARASTUHL. Eine zweigeteilte Rückenlehne und ein entsprechend gestalteter Sitz kann die Belastungen in der Wirbelsäule noch besser mindern.
    Aber egal, welchen Bandscheibenstuhl du verwendest, es kommt auch auf die richtige Nutzung an. Das heißt, bewege Dich möglichst viel. Arbeite im Sitzen, Stehen und Gehen.
  • Skoliose, Muskelschwäche, Arthrodese, usw.
    Bei anderen körperlichen Beeinträchtigungen müssen ggf. andere Lösungen her. So z. B. bei einer Skoliose. Hierbei ist die Wirbelsäule seitlich verkrümmt und gleichzeitig sind einzelne Wirbelkörper verdreht. Ein Skoliose-Stuhl, dessen Rückenlehne individuell angefertigt wird (mit Gipsabdruck), kann für eine spürbare Entlastung sorgen. Außerdem kann auch einer Verschlimmerung der Krankheit entgegengewirkt werden. Mehr Infos gibts beim Deutschen Skoliose Netzwerk DSN.

Welche Rollen sind die richtigen?

Die richtigen Rollen für den Bürostuhl zu wählen, ist wichtiger als gedacht. Denn eine falsche Wahl führt einerseits zu Frust. Warum? Weil sich der Schreibtischstuhl dann oft nicht optimal bewegen lässt. Aber viel schlimmer ist, dass es dazu kommen kann, dass der ganze Stuhl kippt. Nämlich dann, wenn der Rollwiderstand zu groß wird.

Du hast die Wahl zwischen mittlerweile drei unterschiedlichen Rollenarten:

  • Weiche Rollen (zweifarbig, Typ W)
    Sie sind für harte Böden ausgelegt. Also z.B. für Holzböden wie Parkett, Fliesen, Vinylböden oder Linoleum.
  • Harte Rollen (einfarbig, Typ H)
    Für weiche Böden hingegen sind harte Rollen vorgesehen. Also für Teppichböden. Je nach Teppich werden oft auch Rollen mit einem größeren Durchmesser genutzt. Dadurch drücken sie sich nicht so tief in den Flor ein und lassen sich besser rollen.
  • Universalrollen
    Diese Rollenart sind sowohl für weiche als auch harte Böden geeignet.

Ein ergonomischer Bürostuhl darf nur mit gleichartigen Rollen ausgestattet sein.

Bürostuhl – Rollen für harte und weiche Böden
Universalrollen – geeignet für harte und weiche Böden

Um zu verhindern, dass der Bürostuhl unbeabsichtigt wegrollen kann, müssen die Rollen im unbelasteten Zustand gebremst sein. Durch einen entsprechenden Bremsmechanismus werden sie unter Belastung gelöst und der Stuhl lässt sich leichtgängig bewegen.

Kostenübernahme – Bürostuhl auf Rezept

Ja, ein ergonomischer Bürostuhl ist meist nicht ganz billig. Aber die Anschaffung eines hochwertigen Modells ist definitiv ihr Geld wert. Besonders, wenn die gesundheitlichen Vorteile betrachtet werden. Und dennoch, nicht jede und jeder hat so viel Geld. Genau für solche Fälle gibt es die Möglichkeit einer Erstattung bzw. Bezuschussung des ergonomischen Bürostuhls.

Alle Personen, deren Teilhabe am Arbeitsleben gefährdet ist, können bezuschusst werden. Damit wird sichergestellt, dass die Erwerbsfähigkeit erhalten, verbessert oder wiederhergestellt wird. Die Bezuschussung kann aber auch beantragt werden, wenn präventiv gehandelt werden soll. Also, wenn noch keine Beschwerden vorhanden sind.

Das wichtigste, das du jetzt aber wissen muss, ist: erst informieren und dann kaufen. Du musst also erst einen Antrag bei dem für Dich zuständigen Kostenträger (Rentenversicherung, Berufsgenossenschaft, Agentur für Arbeit oder Landeswohlfahrtsverband) stellen. Wird der Kostenübernahme stattgegeben, kannst du das gewünschte Modell anschaffen.

Prüfsiegel

Prüfsiegel, Gütesiegel, Qualitätszeichen oder Zertifikat – die Liste an Begriffen ließe sich noch lange fortführen. Aber je mehr solcher Siegel es gibt, desto schwieriger wird der Durchblick.

Eines vorneweg: Alle hier aufgelisteten Prüfsiegel sind freiwillig. Das macht sie besonders wertvoll. Jedes einzelne hat jedoch andere Interessen, das es vertritt bzw. Ziele, die es mit einer Zertifizierung erreichen möchte.

Auf welche Ergonomie-Siegel sollte ich achten?

  • GS-Zeichen
    Das GS-Zeichen („Geprüfte Sicherheit“) ist das in Europa einzige gesetzlich geregelte Prüfzeichen für Produktsicherheit. Es bestätigt, dass das Produkt bei richtiger bzw. vorsehbarer Anwendung und auch Fehlanwendung keine Geführ für die eigene Sicherheit und Gesundheit ausgeht. Eine Prüfung ist freiwillig und wird von einer unabhängigen Prüfstelle mit Zulassung durchgeführt.
    Dein neuer ergonomischer Bürodrehstuhl sollte unbedingt mit dem GS-Zeichen ausgezeichnet sein.
  • TÜV „Ergonomie geprüft“
    Der TÜV Rheinland und die Landesgewerbeanstalt Bayern (LGA) vergeben das freiwillige Prüfzeichen TÜV „Ergonomie gepfrüft“. Ein Produkt mit dieser Auszeichnung gewährleistet eine einfache Handhabung und ein Minimum an gesundheitlichen bzw. körperlichen Belastungen. Auch dann, wenn es eine längere Zeit genutzt wird.
  • DGUV Test-Zeichen – Zusatz: „ergonomisch“
    Das DGUV Test-Zeichen wird von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) vergeben. Eine Prüfung wird nur dann bestanden, wenn das Produkt den Anforderungen an Sicherheit und Gesundheitsschutz gerecht wird. Wobei diese z. T. deutlich strenger als die gesetzlichen Vorgaben sind. Die Zusatzangabe „ergonomisch“ im Zeichen gibt an, dass bei der Prüfung besonderes Augenmark auf die ergonomischen Aspekte gelegt wurde.
  • Quality Office Qualitätszeichen
    Zertifizierte Bürostühle mit dem Quality Office Logo zählen zu den qualitativ hochwertigsten ihrer Art. Das Qualitätszeichen bestätigt den Produkten harausstechende Merkmale in den Bereichen Sicherheit, Ergonomie, Funktionalität, Flexibilität, Langlebigkeit und Nachhaltigkeit.
  • AGR-Gütesiegel
    Ein ergonomischer Bürostuhl mit dem AGR-Gütesiegel garantiert eine besonders rückengerechte Gestaltung. Dieser ergonomische Nutzen muss in Form einer Studie bewiesen sein. Das Siegel wird vom Verein Aktion gesunder Rücken e. V. vergeben. Herausragend dabei ist, dass bei den Prüfkriterien keine industriellen Interessen maßgebend sind. Das Ziel des Vereins ist, einen Beitrag zur Bekämpfung des Volksleidens Rückenschmerzen zu leisten.
  • IGR-Zertifikat
    Der unabhängige Verein IGR Institut für Gesundheit und Ergonomie e. V. prüft und zertifiziert ebenfalls Bürostühle. Das IGR-Zertifikat bestätigt dem Produkt eine sehr gute Gebrauchstauglichkeit und Ergonomie. Besonderes Augenmerk dabei liegt auf dem Anpassungsgrad des Produktes an die körperlichen Eigenschaften der Testpersonen.

Ergonomische Bürostühle besitzen im Gegensatz zu Maschinen üblicherweise kein CE-Zeichen.

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Stefan

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