Aktivstuhl / 3D-Bürostuhl

Je mehr Einstellungsmöglichkeiten ein Bürostuhl hat, desto besser. Mittlerweile ist bekannt, dass diese Aussage nur noch bedingt stimmt. Denn auch die beste Sitzhaltung kann auf Dauer zu Beschwerden führen. Nämlich dann, wenn das Sitzen zu statisch und monoton gestaltet ist. Ein Aktivstuhl, oder auch 3D-Bürostuhl genannt, kann diesem entgegenwirken. Mit seiner dreidimensionalen Beweglichkeit bringt er eine sehr gesunde Dynamik in den Sitzalltag.

Ich zeige dir, welche Vorteile das dynamische Sitzen auf einem Aktivstuhl hat – und, warum gerade die Bewegung mit mehreren Freiheitsgraden so positive Effekte auf unseren Organismus hat. Du erfährst, welche unterschiedlichen 3D-Sitzkonzepte es gibt und welche Modelle empfehlenswert sind. Außerdem findest du einige Alternativen, die ebenfalls aktives Sitzen ermöglichen.

Welches ist der beste Aktivstuhl/ 3D-Bürostuhl?

Es gibt sehr viele unterschiedliche 3D-Sitzkonzepte. Alle ermöglichen eine gewisse räumliche Bewegung beim Sitzen. Doch welches ist das beste? So einfach lässt sich das leider nicht beantworten. Es kommt, wie so oft im Leben, darauf an. Nämlich auf dich!

Deshalb solltest du lieber die Frage stellen: Welcher Aktivstuhl/ 3D-Bürostuhl passt zu mir?

Wenn du vor allem Sitzbeschwerden vorbeugen möchtest und dir eine hohe Beweglichkeit wichtig ist, dann stellt die Firma Aeris mit ihrer 3D-Ergonomie wohl immer die erste Wahl dar. Der Swopper war einer der ersten seiner Art und ist noch heute DER Aktivstuhl schlechthin.

Wenn du aber schon an Beschwerden leidest, kann ein 3D-Bürostuhl mit stützender Rückenlehne (+ Armlehnen) und individueller, ergonomischer Anpassungsmöglichkeiten die bessere Wahl darstellen. Insbesondere dann, wenn du orthopädische Leiden wie einen Bandscheibenvorfall hast, solltest du unbedingt auf die richtige Rückenlehne achten.

Ansonsten gilt: Testen! Gerne in einem Ergonomie-Fachgeschäft in deiner Nähe. So kannst du herausfinden, welcher 3D-Bürostuhl am besten zu deinen Sitzbedürfnissen passt. Manche Hersteller bieten auch an, das gewünschte Modell eine gewisse Zeit zuhause im Homeoffice zu testen, bevor es endgültig gekauft werden muss.

Vorteile von Aktivstühlen/ 3D-Bürostühlen

Das Problem: Ausreichend Bewegung beim Sitzen ist wichtig. Doch dabei kommt es vor allem auf die Art der Beweglichkeit an. Und diese ist bei einer gewöhnlichen Stuhlmechanik meist doch sehr eingeschränkt – selbst bei einem ergonomischen Bürostuhl mit guter Synchronmechanik.

Die relative Bewegung der Rückenlehne zur Sitzschale ist nur in einer Ebene möglich. Dies hat wenig gemein mit dem natürlichen, intuitiven Bewegungsdrang. Nach längeren Sitzphasen können so sehr einseitige Haltungen bzw. Belastungen entstehen, die zu Verspannungen bis hin zu Schmerzen führen können.

Die Lösung: Die beste Bewegung beim Sitzen ist jene, die der natürlichen Bewegung am nächsten kommt. Also eine Bewegung in mehreren Dimensionen, mit vielen Freiheitsgraden. Je mehr unterschiedliche Sitzhaltungen möglich sind und je ausladender die Bewegungen sind (nur bis zu einem gewissen Grad natürlich – Sicherheit geht immer vor!), desto besser. Auf diese Weise wird die Versorgung der Bandscheiben mit Nährstoffen sichergestellt und der komplette Organismus in seiner Funktion unterstützt.

Eine 3D-Stuhlmechanik ist so gestaltet, dass sie natürliche Haltungswechsel ermöglicht und aktiv fördert.

Die Vorteile beim Sitzen auf einem Aktivstuhl:

  • Fördert und fordert aktiv die Bewegung beim Sitzen
    Stillsitzen ist unmöglich und ausdrücklich unerwünscht. Die 3D-Mechanik regt aktiv dazu an, sich während des Sitzens zu bewegen. Einige Aktivstühle setzen dabei auf kleinste, fast nicht spürbare Mikrobewegungen. Dabei versucht der Oberkörper ständig das minimale Ungleichgewicht beim Sitzen auszubalancieren. Auf diese Weise wird besonders die tieferliegende Muskulatur beansprucht.
    Durch die aktiv-dynamische Sitzweise werden einseitige Belastungen durch Zwangs- und Fehlhaltungen vermieden. Auf Dauer lassen sich so gewisse orthopädische Leiden vorbeugen – z. B. Hohlkreuz, Rundrücken, Skoliose oder Bandscheibenvorfälle.
  • Versorgt die Bandscheiben mit Nährstoffen
    Damit die Bandscheiben ihrer Hauptaufgabe als Stoßdämpfer der Wirbelsäule nachkommen können, müssen sie elastisch und gesund sein. Dafür brauchen sie Nährstoffe. Und diese bekommen sie nur durch eine ständige Be- und Entlastung. Eine möglichst natürliche Bewegung beim Sitzen auf dem Aktivstuhl kann genau diese Nährstoffversorgung aufrechterhalten. So wird das Risiko für ein Bandscheibenvorfall deutlich gemindert.
  • Entlastung für innere Organe
    Ständige Haltungswechsel beim Sitzen sorgen auch regelmäßig für eine Entlastung der Organe im Bauchraum. Aber nicht nur das. Die Bewegung unterstützt auch die natürliche Funktion der inneren Organe – bessere Verdauung sowie tiefere Atmung (bessere Sauerstoffversorgung).
  • Stärkt den Kreislauf
    Die Dynamik beim Sitzen aktiviert die Herz- und Kreislauftätigkeit. Durch die erhöhte Bewegung in den Füßen und Beinen werden die Venenpumpen betätigt. So werden die Durchblutung gefördert und insgesamt die Stoffwechselprozesse im Körper unterstützt.
  • Trainingseffekt für Muskulatur, Gelenke und Bänder
    Beim Sitzen Muskeln aufbauen… Das hört sich doch gut an. Naja, ganz so einfach ist es nicht. Ein Aktivstuhl ist natürlich kein Trainingsgerät. Mit ihm lässt sich also kein Muskelaufbau im eigentlichen Sinne betreiben. Er ist aber ein wichtiges Element im Sitzalltag, um bestimmte Muskelpartien aktiv zu stärken. So beispielsweise die Rumpfmuskulatur, also die Rücken- und Bauchmuskulatur. Diese sind wichtig, um die Bandscheiben zu entlasten. Außerdem tragen die Haltungswechsel und die Bewegung in Armen und Beinen zu Aufbau und zur Erhaltung der Gelenkschmiere bei.
    Und zuletzt führt das Mehr an Bewegung auch dazu, dass der Kalorienverbrauch gesteigert wird.
  • Steigert die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit
    Der Aktivstuhl hat auch positive Effekte auf die Gehirntätigkeit. Eine bessere Durchblutung sowie eine tiefere Atmung sind zwei wichtige Faktoren, damit das Gehirn optimal arbeiten kann. Daneben ist es aber auch der Effekt auf die Psyche, der Auswirkungen auf die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit hat. Durch die dynamische und oft auch aufrechtere Körperhaltung bessert sich das allgemeine Wohlbefinden. Stress wird automatisch reduziert.

Unterschiedliche Sitzkonzepte für aktives Sitzen

Die Hersteller haben fast durchweg ihre eigenen Konzepte mit patentierter Technologie. Oft wurde die Entwicklung wissenschaftlich betreut und die positiven Effekte auf das Sitzverhalten durch Studien belegt.

Unterschiede gibt es vor allem in der Anzahl, Art und Ausprägung der Freiheitsgrade. Außerdem unterscheiden sich die Modelle in der Art und bzw. oder dem Vorhandensein stützender Lehnen (Rückenlehne, Armlehnen).

Aufgrund dieser Unterschiede kann nicht jedes 3D-Sitzkonzept für alle gleichermaßen empfohlen werden.

Zwei grundsätzliche Technologien

Es gibt zwei grundsätzliche Technologien, die einen Aktivstuhl bzw. 3D-Bürostuhl ausmachen: eine flexible Rückenlehne sowie die 3D-Stuhlmechanik.

  • Flexible Rückenlehne:
    Hier wird meist von einer „dorsokinetischen Rückenlehne“ gesprochen. Dorsokinetisch bedeutet so viel wie „beweglicher Rücken“ oder lässt sich mit „der Bewegung des Rückens folgend“ übersetzen. Die Flexibilität ist dabei möglichst hoch. Das heißt, die Rückenlehne ist dabei nicht nur bei Kippbewegungen nach hinten elastisch, sondern geht auch Dreh- und Seitenbewegungen mit (Torsionsbewegung).
    Neben dieser Elastizität ist es aber auch wichtig, dass die Rückenlehne in jeder Sitzhaltung für ausreichend Halt sorgt.
  • 3D-Stuhlmechanik:
    Bei der Mechanik unterscheiden sich die Aktivstühle zum Teil sehr. Das Prinzip ist jedoch immer dasselbe. Eine spezielle Stuhlmechanik soll für eine hohe dreidimensionale Beweglichkeit sorgen. Dabei sind besonders der Rumpf und der Oberkörper im Fokus.
    Die sitzende Person ist während des Sitzens ständig in einem gewissen Ungleichgewicht. Der Körper versucht dieses auszugleichen und ist so ununterbrochen in Bewegung. Die Bewegungen sind dabei meist so minimal, dass sie bewusst nicht einmal spürbar sind (Mikrobewegungen). Auf diese Weise wird vor allem die tieferliegende Muskulatur angesprochen.
    Je nach 3D-Stuhlmechanik sind darüber hinaus noch wesentlich größere Bewegungen möglich – nach vorne, hinten, zur Seite, diagonal, Drehbewegungen sowie in vertikaler Richtung. Besonders die vertikalen Schwingungen sind förderlich für die Versorgung der Bandscheiben mit Nährstoffen. Sie sind vergleichbar mit der Be- und Entlastung beim Laufen und Gehen. Aeris bietet hier mit dem Swopper die wahrscheinlich beste Lösung.

Manche Hersteller kombinieren beide Konzepte miteinander. Dabei hast du eine hohe Beweglichkeit mit gleichzeitiger Stützwirkung für den Rücken, insbesondere für die Wirbelsäule.

Andere Hersteller verzichten auf eine stützende Rückenlehne, oft auch auf die Armlehnen. Dies ermöglicht dem Oberkörper die höchste Beweglichkeit mit den meisten Freiheitsgraden. Bei einem solchen Aktivhocker ist der Sitzwinkel meist größer (Hüftwinkel zwischen Oberkörper und Unterschenkel). Dadurch richtet sich der Oberkörper automatisch auf.

Aufgrund der fehlenden Stützwirkung durch die Lehnen kann diese Art des Sitzens jedoch für einige auf Dauer anstrengend und belastend sein. Wichtig ist, zu Beginn eine gewisse Eingewöhnungsphase einzuplanen. Der Körper benötigt Zeit, um sich an die aktive Sitzweise zu gewöhnen.

Alternativen, die aktives Sitzen ermöglichen

Der Trend geht klar zum Zweitstuhl bzw. Zweithocker. Besonders dann, wenn der Fokus auf mehr Dynamik am Arbeitsplatz gelegt wird. Denn mit einer Alternative zum Bürostuhl hast du die Möglichkeit, Abwechslung in den Sitzalltag zu bringen. So wird das Risiko für ungesunde Fehl- und Zwangshaltungen minimiert.

Tipp: Wenn du mehrere Sitzmöbel am Büroarbeitsplatz nutzen möchtest, solltest du unbedingt einen ergonomischen Schreibtisch verwenden. Dieser lässt sich bequem mit einem Klick (wenn elektrisch) an die jeweils optimale Sitzhöhe anpassen. Nur so ist eine wirklich ergonomische Arbeitsweise möglich.

Welche Sitzalternativen sind zu empfehlen?

Aktivhocker

Ein Aktivhocker bzw. 3D-Hocker ist im eigentlichen Sinne ein Aktivstuhl ohne stützende Lehnen. Laut Hersteller kann er auch als vollwertiger Arbeitsstuhl verwendet werden. Die Anforderungen für einen ergonomischen Arbeitsstuhl (Nutzdauer 8h/ Tag) schreiben jedoch vor, dass eine Rückenlehne sowie zwei Armlehnen vorhanden sein müssen. Das heißt, der Aktivhocker sollte eher als Sitzalternative genutzt werden.

Wichtig zu wissen ist jedoch, dass die Ergonomie-Anforderungen teilweise nicht mehr ganz dem aktuellen Stand der Technik entsprechen. Deshalb meine ich, dass ein ergonomischer Bürohocker mit 3D-Ergonomie wie bspw. der Aeris Swopper als vollwertiges Sitzmöbel an einem gewöhnlichen Büroarbeitsplatz genutzt werden kann.

Beim Aktivhocker ist der Oberkörper völlig frei beweglich, wodurch die höchste Dynamik beim Sitzen entsteht. Durch die spezielle 3D-Sitztechnologie richtet sich die Wirbelsäule automatisch auf. Der Körper ist ständig dazu geneigt, über kleinste und auch größere Bewegungen die optimale Sitzposition zu erreichen.

Pendelhocker

Ein Pendelhocker bietet eine ähnliche Beweglichkeit wie der Aktivhocker. Hier ist der Standfuß mit einer abgerundeten Bodenplatte versehen. So entsteht beim Sitzen eine kontinuierliche Pendelbewegung. Auch hier ist Stillsitzen fast unmöglich. Der Oberkörper versucht ständig in Balance zu kommen. Und die Bodenplatte animiert dazu, sich zu bewegen.

Der Pendelhocker ist eine sehr flexible Sitzgelegenheit. Er ist superhandlich, leicht und mobil. Dadurch ist er nicht nur am Schreibtisch verwendbar, sondern kann auch schnell zur Besprechung mitgenommen werden. Außerdem eignet er sich optimal für die bewegte bzw. aktive Pause. Hier kann er als Fitnesshocker integriert werden.

Pendelhocker/ Sitzhocker fürs Büro
Der Pendelhocker Interstuhl Up, den ich ausführlich getestet habe

Kniestuhl

Der Kniestuhl ermöglicht ein sehr besonderes Sitzgefühl. Er besitzt eine leicht nach vorne geneigte Sitzfläche. Um beim Sitzen nicht abzurutschen, kommen die gepolsterten Schienbeinunterstützungen ins Spiel. Die Sitzposition sieht also aus, als ob man knien würde (stimmt nicht ganz, da nicht die Knie, sondern die Schienbeine gestützt werden). So entsteht ein gesunder, offener Sitzwinkel.

Der originale Kniestuhl Varier Variable balans* besteht aus einer flexiblen Holzkonstruktion und steht auf abgerundeten Kufen. Durch das ständige Ausbalancieren und die Möglichkeit zum Schaukeln entsteht eine sehr aktive und natürliche Sitzhaltung. Aufgrund der Flexibilität des Kniestuhls sind auch seitliche Drehbewegungen während des Sitzens möglich – z. B., um nach etwas zu greifen.

Kniestuhl/ Kniehocker – Screenshot YouTube
Der Kniestuhl bzw. Kniehocker Varier Variable balans (YouTube-Screenshot)

Ballstuhl bzw. Sitzball

Ein Sitzball (auch bekannt als Pezziball oder Gymnastikball) wie der Topstar Sitness 5* bietet eine sehr instabile Sitzfläche. Der komplette Körper ist ständig dazu angewiesen, eine Balance zu finden. Diese Bewegungen kommen jedoch eher einem leichten Training gleich. Auf Dauer kann das Sitzen auf einem Ballstuhl sehr anstrengend werden. Deshalb ist er mehr als Trainingsgerät geeignet und weniger als vollwertige Sitzalternative. Zeitweise und richtig eingesetzt, kann er dennoch sinnvoll sein, um den Sitzalltag dynamischer zu gestalten.

Als Ergänzung möchte ich hier auch noch das Ballkissen nennen. Dieses kann als Sitzunterlage auf den Bürostuhl gelegt werden, wodurch ein ähnlicher, aber abgemilderter Effekt wie beim Sitzen auf einem Sitzball entsteht.

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Stefan