Ergonomie Fundus im Unternehmen

Was dem einen zu kalt, ist dem anderen angenehm oder zu warm. Was dem einen zu hell, ist dem anderen zu dunkel – So wie es im Empfinden von Temperatur und Licht ist, ist es auch bei ergonomischen Produkten. Jeder Mensch ist anders und jeder ist individuell zu betrachten. Menschen unterscheiden sich in Kultur, Geschlecht, Alter, Größe, Gewicht oder durch Einschränkungen wegen Krankheiten oder Behinderungen.

Um ergonomische Produkte möglichst für alle zugänglich zu machen, wurden in der DIN 33402 „Körpermaße des Menschen“ zusammengestellt. Hier finden sich die durchschnittlichen ermittelten Körpermaße für Personen der arbeitenden Bevölkerung zwischen 16 und 60 Jahren.

Jedoch sollten Unternehmen aufgrund der oben beschriebenen Verschiedenheit der Menschen, die nicht nur auf Körpermaße basiert, nicht ausschließlich ein Fabrikat eines ergonomischen Produktes bereit stellen. Es empfiehlt sich, einen Ergonomie Fundus anzulegen.

Ergonomie Fundus - warum es wichtig ist, zwischen mehreren Produkten testen zu können
Ergonomie Fundus – warum es wichtig ist, zwischen mehreren Produkten testen zu können (CC BY-SA 2.0)

Verschiedenheit der Menschen

In der DIN 33402 sind die Körpermaße in Perzentile eingeteilt. Das Wort Perzentil kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Hundertstelwert. Bei den Körpermaßen der arbeitenden Bevölkerung werden diese also auf einem Zahlenstrahl von 100 gleichen Teilen aufgetragen. Es wird jedoch nur der Bereich zwischen dem 5. und 95. Perzentil in Betracht gezogen. D.h., dass insgesamt 90 Prozent berücksichtigt sind.

Das 5. Perzentil bedeutet, dass 5 % der Bevölkerung kleiner sind, als der angegebene Wert. Beim 95. Perzentil sind es hingegen 95 %, die kleiner sind, als das hier befindliche Körpermaß.

Kleines Handbuch der praktischen Arbeitsgestaltung
Kleines Handbuch der praktischen Arbeitsgestaltung *

Viele ergonomische Produkte sind so ausgelegt, dass sie durch Einstellungsmöglichkeiten so angepasst werden können, dass 90 % der Arbeiter damit zurecht kommen. Jedoch ist es oft sinnvoll oder unumgänglich, Produkte in verschiedenen Ausführungen anzubieten. So gibt es beispielsweise ergonomische Mäuse für große sowie für kleine Hände.

Menschen unterscheiden sich aber nicht nur in ihren Körpermaßen. Krankheiten oder Behinderungen können ganz individuelle Lösungen erforderlich machen. Ein Produkt, das speziell auf Rechtshänder ausgelegt ist (z.B. die Evoluent Vertical Mouse 4), kann zum Beispiel nicht mehr verwendet werden, wenn die rechte Hand verletzt oder gebrochen ist.

Das RSI-Syndrom (repetitive strain injury) ist mittlerweile weit verbreitet und verursacht viele Krankheitstage. Oft dauert es sehr lange, bis man die Krankheit diagnostiziert und noch viel länger, bis man die Ursache der Schmerzen findet. Für solche Patienten und Mitarbeiter ist es sinnvoll, wenn sie mehrere Produkte testen können. So können sie herausfinden, welches ihnen am besten liegt.

Was bringt ein Ergonomie Fundus?

Ja, es kostet Geld, wenn ein Unternehmen beispielsweise einen Fundus an ergonomischem Computerzubehör anlegt. Aber der daraus resultierende Nutzen ist enorm.

Entscheider in Unternehmen wollen oft nur Zahlen sehen. Was kostet uns diese Maßnahme? Was bringt uns diese Maßnahme? Wie sieht der Return on Investment ROI aus? Diese Zahlen können an sogenannten harten Faktoren festgemacht werden.

  • Krankheitstage
  • Ausschuss
  • Produktivität
  • etc.

Jedoch können viele Maßnahmen in der betrieblichen Gesundheitsförderung sehr schwer in harte Faktoren ausgedrückt werden. Hier kommen die weichen Faktoren ins Spiel, die nicht wirklich quantifizierbar sind.

  • Motivation
  • Zufriedenheit
  • Engagement
  • Leistungsfähigkeit
  • etc.

Diese weichen Faktoren haben einen wesentlichen Einfluss auf den Erfolg und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Durch Maßnahmen, wie dem Anlegen eines Ergonomie Fundus, kann ein Unternehmen direkt Einfluss darauf nehmen. Hierdurch kann langfristig und nachhaltig in den Unternehmenserfolg investiert werden.

Die Angestellten werden den Ergonomie Fundus sehr zu schätzen wissen. Wobei es auch auf die richtige Kommunikation ankommt. Eine Maßnahme, von der keiner was mitbekommt, ist eine schlechte Maßnahme. Man muss die Angestellten also konkret darauf hinweisen (Aushang am Schwarzen Brett, E-Mail, Betriebsausgabe, Information durch Abteilungsleiter), dass die Möglichkeit besteht, verschieden Produkte zu testen und wer dafür die Ansprechpartner sind.

Wer die Möglichkeit hat auszutesten, wird auch das Gefühl bekommen, wertgeschätzt zu sein.

Ergonomie Fundus ist eine Win-Win-Situation

Unternehmen, die sich einen Fundus an ergonomischen Produkten anlegen, gehen damit eine langfristige und nachhaltige Gesundheitskultur ein. Positive Effekte werden sich schnell herausstellen. Wie im betrieblichen Gesundheitsmanagement üblich, sollte auch die Einführung dieser Maßnahme nach einem gewissen Zeitraum evaluiert werden, d.h. auf den Nutzen kontrolliert werden.

Für beide Seiten liegt der Nutzen auf der Hand – die Angestellten bekommen die Möglichkeit, die für sie optimalen ergonomische Produkte herauszukristallisieren und werden dies mit einer gesteigerten Zufriedenheit zurück zahlen. Zufriedene und gesunde Mitarbeiter bringen einen höheren Grad an Motivation mit, arbeiten effektiver und engagierter und zeigen dies auch nach außen hin. Die Verbundenheit zum Unternehmen wächst. Hieraus zieht das Unternehmen einen enorm großen Nutzen, der letztendlich im Unternehmenserfolg und in der Kundenzufriedenheit sichtbar wird.

Ein Ergonomie Fundus ist also eine Win-Win-Situation für Unternehmen und Angestellte.

Über Stefan Reinsprecht 50 Artikel
Ich habe Maschinenbau studiert und eine Weiterbildung zum Gesundheitsmanager gemacht. Während meiner Zeit als Konstrukteur und Entwickler hatte ich viel mit Ergonomie zu tun.

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