Standard-Tastatur – Nachteile und mögliche Beschwerden

Drei Nachteile werden anhand einer mechanischen Tastatur demonstriert
Am Beispiel einer mechanischen Tastatur – Welche Nachteile entstehen?

Eine gewöhnliche Tastatur bringt wesentliche Nachteile mit sich. Und trotzdem ist sie noch immer DIE Standardtastatur am Schreibtischarbeitsplatz.

Ich möchte dir zeigen, welche Probleme auftreten und mit welchen Maßnahmen du deine Körperhaltung verbessern kannst. Außerdem gebe ich dir einen Anstoß, weshalb es sich lohnt, über einen Wechsel auf eine Tastaturalternative nachzudenken – nicht erst dann, wenn du schon unter Beschwerden leidest.

Welche Nachteile können durch die Benutzung einer gewöhnlichen Tastatur entstehen?

  • Abweichung von der Neutralhaltung
  • Unangemessener Kraftaufwand für die Betätigung der Tasten
  • Repetitive, also sich wiederholende Bewegungen

Durch die Verwendung einer Volltastatur, also einer Standardtastatur mit Ziffernblock werden die Hände in eine unnatürliche Haltung gezwungen. Dies in Kombination mit den anderen Nachteilen einer Tastatur kann zu Beschwerden in Fingern, der Hände, der Arme, der Schultern und der Nackenregion führen.

Halten die Beschwerden an, können sie sich chronifizieren. Auftretende Schmerzen und Einschränkungen können im schlimmsten Fall sogar zur Arbeitsunfähigkeit führen.

Wichtig: Falls du unter Beschwerden leidest, ist es ratsam, eine medizinische Fachkraft wie den Betriebsarzt aufzusuchen. Nur so kann ausgeschlossen werden, ob sie auf den Arbeitsplatz zurückzuführen sind.

Abweichung von der Neutralhaltung

Im Folgenden zeige ich dir, welche unnatürlichen Haltungen die Hände, Arme und Schultern, ja sogar der ganze Oberkörper einnehmen müssen. Einige kannst du mit den geeigneten Hilfsmitteln, bzw. mit der richtigen Positionierung der Tastatur verbessern.

Handgelenk-Ulnarduktion

Die Handgelenk-Ulnarduktion oder auch Ulnarabduktion beschreibt die seitliche Wegführung der Hand in Richtung Elle (Ulna). Sie entsteht durch die Grundhaltung der Finger auf dem Buchstabenfeld der Tastatur.

Durch die seitlich abgewinkelten Handgelenke entsteht im Gelenk, aber auch in den beteiligten Muskeln eine erhöhte Spannung.

Tastatur – Demonstration der Handgelenk-Ulnarduktion
Beim Tippen auf einer gewöhnlichen Tastatur werden die Handgelenke unnatürlich zur Seite abgewinkelt.

Um den Winkel möglichst in eine Neutralhaltung (0°) zu bekommen, muss eine ergonomische Tastatur mit geteilten Tastaturhälften verwendet werden. Am besten wäre eine Tastatur mit vollständig geteilten Tastaturhälften, die sowohl im Winkel als auch im Abstand optimal positioniert werden können.

Ergonomische Tastatur – Demonstration der Handgelenk-Ulnarduktion
Bei einer ergonomischen Tastatur mit geteiltem Tastenfeld wird der Winkel kleiner. Hier siehst du die Logitech ERGO K860*.

Ergonomisch optimal ist aber nicht immer auch die individuell beste Lösung. Denn nicht jeder und jede kommt damit zurecht, dass die Tastaturhälften auf Schulterbreite getrennt liegen. Oft kann es deshalb vorkommen, dass die Leistung beim Tippen darunter leidet.

Handgelenk-Extension

Die Handgelenk-Extenstion beschreibt das Aufstellen der Hände, genauer die Streckung der jeweiligen Hand zum Handrücken hin (Dorsalextension).

Insbesondere bei der Verwendung einer mechanischen Tastatur ist die Extension und die dadurch entstehende Spannung sehr hoch. Noch schlimmer wird es, wenn die hinteren Tastaturfüße bzw. Aufstellfüße ausgeklappt werden (ergonomische Todsünde).

Mechanische Tastatur – Demonstration der Handgelenk-Extension
Da die mechanische Tastatur sehr hoch gebaut ist, wird das Handgelenk beim Tippen überstreckt.

Du kannst den Winkel abflachen, indem du eine geeignete Handballenauflage verwendest. Diese wird direkt vor der Tastatur platziert und erhöht die Position der Hände in etwa auf die Höhe der Tastatur selbst.

Wichtig: Eine Auflage für die Handballen ist unbedingt erforderlich. Deshalb muss die Tastatur selbst etwa 10–15 cm hinter der Tischkante platziert werden. Noch besser wird die Haltung, wenn zusätzlich noch Unterarmauflagen vorhanden sind. Üblicherweise sind dies die Armstützen des Bürostuhls. Wie du diese richtig anpasst, findest du hier: Bürostuhl richtig einstellen.

Tastatur mit Handballenauflage – Demonstration der Handgelenk-Extension
Mit einer Handballenauflage kann die Streckung minimiert werden.

Eine weitere Maßnahme wäre die Verwendung einer Slimline-Tastatur. Da diese in der Gehäusehöhe sehr flach ist, kann auf eine zusätzliche Handballenauflage verzichtet werden. Die Schreibtischoberfläche reicht hier in den meisten Fällen als Auflage für die Hände.

Slimline-Tastatur – Demonstration der Handgelenk-Extension
Bei einer Slimline-Tastatur fällt die Handgelenk-Extension geringer aus.

Unterarm-Pronation

Die Unterarm-Pronation entsteht durch die typische, horizontale Lage der Hände beim Tippen. Durch die Einwärtsdrehung der Hände bzw. Unterarme kommt es zu einer Überkreuzung von Elle (Ulna) und Speiche (Radius). Dabei kommt es zu einer erhöhten Beanspruchung dieser Region.

Mechanische Tastatur – Demonstration der Unterarm-Pronation
Die horizontale Ebene der Tastatur zwingt die Hände und Unterarme zu einer Einwärtsdrehung.

Eine bessere Haltung durch weniger Pronation, also weniger Einwärtsdrehen kann mit einer Tastatur erreicht werden, die zur Mitte hin erhöht ist.

Um eine Neutralhaltung zu erreichen, muss eine Tastatur mit dachförmig geneigten Tastaturhälften verwendet werden. Diese ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn das Zehn-Finger-System beherrscht wird. Wenn du also blind tippen kannst.

Verdrehen des Oberkörpers

Wenn das Tastaturgehäuse mittig zum Bildschirm und zum Benutzer bzw. zur Benutzerin ausgerichtet wird, muss der Oberkörper beim Tippen leicht zur Seite gedreht werden. Denn das Buchstabenfeld befindet sich bei einer Standard-Tastatur leicht nach links versetzt.

Durch dieses Verdrehen des Oberkörpers nach links entsteht eine asymmetrische Körperhaltung. Dabei kommt es zu einer verstärkten Ulnarduktion der rechten Hand gegenüber der linken Hand.

Um diese Verdrehung zu verhindern solltest du die Tastatur mit dem Buchstabenfeld mittig zu dir positionieren. Außerdem solltest du darauf achten, dass du selbst zentral vor dem Bildschirm sitzt.

Mit einer zentrierten Maus wie der Contour SliderMouse Pro* befindet sich alles in einer Flucht: Computermaus, Tastatur und Bildschirm.

Arm-Abduktion

Die Arm-Abduktion bezeichnet das Abspreizen des Arms von der Körpermitte weg. Je weiter weg der Arm geführt bzw. gehalten wird, desto höher fällt die Muskelspannung in den beteiligten Abduktoren aus.

Bei der Tastatur selbst spielt die Arm-Abduktion eher weniger eine Rolle. Sie ist minimal beim Tippen auf dem integrierten Nummernblock. Das problematische Abspreizen entsteht jedoch durch die Bedienung der Maus direkt neben dem Tastaturgehäuse (vor allem bei Rechtshändern).

Falls du Probleme in Schulter und Nacken bekommen solltest, so empfiehlt sich die Verwendung einer Kompakttastatur. Hierdurch kann die Maus näher zur Körpermitte geführt werden – bestenfalls auf Schulterbreite. Noch besser wird es durch eine ortsfeste Maus, also durch einen Trackball. Am besten ist die Haltung mit einer zentrierten Maus.

Wenn deine Arbeit viel Zahleneingaben voraussetzt, kannst du einen separaten Nummernblock verwenden. Diesen kannst du herholen, wenn du ihn brauchst und wegstellen, wenn er im Moment überflüssig ist.

Zwei Bilder zeigen die Arm-Abduktion bei der Verwendung einer Maus + Kompakt- bzw. Standardtastatur
Die Arm-Abduktion ist umso geringer, je schmaler die Tastatur ist.

Unangemessener Kraftaufwand beim Tippen

Ein unangemessener Kraftaufwand bedeutet, dass die Kraft für das herunterdrücken einer Taste entweder zu hoch oder zu niedrig ist. Beides sollte vermieden werden, da dies zu wesentlich erhöhten Beanspruchungen beim Tippen führen kann.

Insbesondere ein zu geringer Kraftaufwand führt zu Problemen. Denn dadurch muss immer davon ausgegangen werden, dass eine Taste ungewollt aktiviert wird. Deshalb werden die Hände und Finger so gehalten, dass sie über den Tasten schweben. Ein entspanntes Auflegen der Finger ist nicht mehr möglich.

Deshalb ist es wichtig, dass das Tastenverhalten zu dir und deinen individuellen Bedürfnissen passt. Die Tastenauslösekraft muss stimmen – zwischen 0,5 und 0,8 N. Hier sind übrigens vor allem mechanische Tastaturen im Vorteil. Denn diese werden mit unterschiedlichen Schaltern angeboten, die sich sowohl in der Tastenauslösekraft als auch im Tastenfeedback (also ob es einen fühlbaren Druckpunkt gibt oder nicht) unterscheiden.

    Repetetive Bewegungen

    Wenn du schnell und sehr umfangreiche Texte tippst und insgesamt lange, andauernd und intensiv mit der Tastatur arbeitest, kann es zur Ermüdung und Belastung kommen. Und dies trotz der gefühlt geringen Bewegungswege, die deine Finger und deine Hände dabei zurücklegen. Das Problem ist vielmehr die sich immer wiederholende, gleiche Bewegung, die auch als schnelle repetitive Bewegung bezeichnet wird.

    Leider gibt es hier nur wenige Möglichkeiten, die Tastatur selbst anders zu gestalten. Ggf. hilft es dir, auf eine Chiclet-Tastatur oder auf eine Slimline-Tastatur umzusteigen. Beide haben den Vorteil, dass die Wege für das Auslösen einer Taste geringer werden.

    Besser ist, das Arbeitsverhalten im Allgemeinen anzupassen:

    • Bring Abwechslung in deine Schreibtischarbeit.
    • Mach regelmäßig Pausen, auch sogenannte Mikropausen.
    • Nutze Shortcuts sinnvoll, bspw. auch Shortcuts mit ganzen Satzbausteinen, die du häufig verwendest.

      Quelle: Einige der Belastungen bzw. Nachteile einer horizontalen Maus sowie der geeigneten Maßnahmen stammen aus dem Auszug aus dem BGIA-Report 3/2008, Kapitel 4: Umsetzung und Anwendung in der Praxis.

      Sonderfall: Tastatur beim Laptop

      Beim Laptop ist die Tastatur im Gehäuse integriert. Da weniger Platz zur Verfügung steht, jedoch trotzdem alle notwendigen Tasten untergebracht werden wollen, unterscheidet sich das Tastaturlayout oft etwas zum Standard-Tastaturlayout. Deshalb kommt bei der Laptoptastatur neben einigen der oben beschriebenen Nachteilen noch ein weiterer hinzu: eine intuitive Bedienung ist meist nicht möglich.

      Die kompakte und veränderte Gestaltung des Layouts macht es schwierig, blind zu tippen. Spätestens aber beim Suchen nach den Cursor-Tasten oder dem numerischen Tastenblock entstehen die ersten Probleme. Man wird aus seinem gewohnten Arbeitsablauf gerissen.

      Wenn du also im Homeoffice oder auch am Büroarbeitsplatz mit Laptop arbeitest, dann beachte bitte Folgendes:

      • Nutze eine separate Tastatur sowie separate Maus.
      • Positioniere den Laptop auf einem Laptopständer und nutze ihn nur noch als Bildschirmanzeige.
      • Bei einem kleinen Laptop-Display solltest du unbedingt einen separaten Bildschirm verwenden. Der Laptop selbst kann als zweiter Bildschirm genutzt werden.

      Lösung: Ergonomische Tastatur und ergonomisches Arbeiten

      Ergonomische Tastatur – vier verschiedene Modelle
      Ergonomische Tastaturen gibt es in unterschiedlichen Designs.

      Alle Nachteile einer Standard-Tastatur wirst du nie umgehen können. Ich habe dir oben zwar einige Maßnahmen aufgezeigt. Einige davon machen die Bedienung der „optimalen“ Tastatur jedoch sehr ungewohnt. So bspw. das Aufstellen der Tastenhälften zur Mitte hin. Nicht immer wird dabei eine Verbesserung der Belastungen und Beschwerden erreicht.

      Dennoch gibt es ergonomische Tastaturen, die durch ihre Bauform, Art der Bedienung und Position der Tasten bzw. Tastenhälften gezielt Belastungen minimieren können. Das häufigste Design, welches von einer Mehrheit als positiv bewertet wird, ist die geteilte Tastatur.

      Darüber hinaus solltest du auch darauf achten, dass du deine Schreibtischarbeit im Allgemeinen ergonomisch gestaltest.

      • Denk über die Verwendung einer Mausalternative, als über eine ergonomische Maus nach. Denn die Computermaus geht immer Hand in Hand mit der Tastatur.
      • Achte auf eine korrekte Sitzhaltung. Und wechsle denie Abeitshaltung regelmäßig. Indem du eine gewisse Dynamik in den Arbeitsalltag bringst, verhinderst du einseitige und statische Haltungen.
      • Mach Pausen und Mikropausen zur Routine. Gönn dir, deinen Fingern und deiner Hand regelmäßige Entspannung. Und vergiss nicht, dich zu bewegen.
      • Denk über den Arbeitsplatz hinaus. Beschwerden kommen nicht immer nur von der Arbeit. Betrachte alles ganzheitlich. Ich empfehle dir ein gezieltes Training mit Mobilitätsübungen und Stärkung von Fingern, Handgelenken, Armen, Schultern und Nacken.
      Stefan Reinsprecht – Portrait des Autors

      Über den Autor

      Stefan ist Gründer des Blogs, Ergonomie-Experte mit 10+ Jahren Erfahrung und verbringt seine freie Zeit am liebsten in der Natur – stets in Begleitung seiner Labrador-Hündin.

      Als Ingenieur hat er mehrere Jahre im Großraumbüro gearbeitet. Dort musste er schon mit jungen Jahren feststellen, wie belastend ein schlecht optimierter Schreibtischarbeitsplatz sein kann. Grund für ihn, sich zum Gesundheitsmanager weiterzubilden und auf das Thema Ergonomie zu spezialisieren.

      Hier teilt er sein Wissen in zahlreichen Fachartikeln, Ratgebern und Testberichten. Sein Ziel: Dir zu helfen, deinen Arbeitsplatz selbstständig an die eigenen Bedürfnisse anzupassen – ob im Büro oder Homeoffice.

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