Ein falsches Lichtkonzept, fehlendes Tageslicht, der fehlende Sonnenschutz oder ein falsch angeordneter Arbeitsplatz führt auf Dauer zu gesundheitlichen Beschwerden. Nachweislich nimmt die Leistungsbereitschaft ab, die Fehlerhäufigkeit steigt und somit kommt es auch zu einer erhöhten Unfallgefahr.

Um die positiven Auswirkungen der Beleuchtung am Arbeitsplatz zu nutzen, sind einige Dinge zu wissen bzw. zu beachten. Im Folgenden findest Du alles Wissenswerte darüber.

Beleuchtung am Arbeitsplatz
Auf die richtige Beleuchtung am Arbeitsplatz kommt es an

Auswirkungen von natürlichem Licht am Arbeitsplatz

Unser Tageslicht ist der sichtbare Teil der Sonnenstrahlung und wird als elektromagnetische Strahlung definiert. Wir sehen Licht bei Wellenlängen von 380 nm bis 780 nm (Nanometer). Da Licht gebündelt auf unsere Pupille auftrifft, nehmen wir es als Weiß wahr. Wird es jedoch gebrochen (durch ein Prisma oder zu sehen bei einem Regenbogen), können verschiedene Farbanteile sichtbar gemacht werden.


Die Beschaffenheit bzw. Qualität des Tageslichts hat stimulierende und motivierende Eigenschaften auf den menschlichen Organismus. So hat der Blick nach draußen, um zu sehen, welches Wetter herrscht, einen großen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Unser Biorhythmus (Cirkadiane Rhythmus, Schlaf-Wach-Rhythmus, innere Uhr) orientiert sich daran.

Die Qualität (Lichtfarbe, Helligkeit/ Lichtstärke, Lichteinfall) des Tageslichts ändert sich durch

  • Tages- und Jahreszeit,
  • Witterungsverhältnisse und
  • geografische Lage, auf der man sich befindet.

Natürliches Licht ist auch essentiell für unseren Körper. Vitamin D ist das einzige Vitamin, welches wir durch die Aufnahme von Sonnenlicht produzieren können. Dies merken wir vor allem im Winter, da viele von uns während dieser Zeit unter einem Vitamin D Mangel leiden.

Es ist also von sehr hoher Bedeutung, dass Mitarbeiter mit ausreichend Tageslicht am Arbeitsplatz ausgestattet werden.

Richtige Beleuchtung am Arbeitsplatz

Lichtkonzept

Dass nicht jeder Arbeitsplatz mit Hundert Prozent Tageslicht ausgestattet werden kann, ist bekannt. Schön wäre es natürlich, wenn man das Büro auch ins Freie verlegen könnte. Im Sommer ist dies sogar in einigen Unternehmen schon der Fall. Diese haben vereinzelt Pavillons im Außenbereich des Unternehmens aufgebaut. Seit Arbeitsmittel mobil sind (Smartphone, Tablet PC, Laptop) stellt dies auch kein enorm großes Problem mehr dar, dies umzusetzen.

Die richtige und ergonomische Beleuchtung am Arbeitsplatz ist ein Mix aus

  1. direkter und
  2. indirekter Beleuchtung,
  3. Arbeitsplatzleuchte bzw. Schreibtischleuchte sowie
  4. Tageslicht.

Abhängig von der ausgeführten Tätigkeit muss eine individuelle Beleuchtung gewählt werden.

Richtige Beleuchtung am Arbeitsplatz
Richtige Beleuchtung am Arbeitsplatz

Der Gesetzgeber schreibt zwar keine Sichtverbindung nach außen vor, erwähnt aber ausreichendes Tageslicht an jedem Arbeitsplatz. Durch entsprechende Maßnahmen wie Fenster, Glastüren, Dachoberlichter oder Glasbausteinen in Wänden kann dafür gesorgt werden, dass überall ausreichend Tageslicht vorhanden ist.

Das beste Lichtkonzept stellt die Indirekt-/ Direktbeleuchtung plus Arbeitsplatzleuchte dar. Hierbei sorgen indirekte Deckenbeleuchtungen für eine ausreichende Grundhelligkeit im Raum. Die Direktbeleuchtung sollte dabei seitlich zum Arbeitsplatz positioniert sein, damit keine Blendungen und Reflexionen entstehen. Mit der Arbeitsplatzleuchte kann der Mitarbeiter seine Beleuchtung individuell an seine Bedürfnisse anpassen.

Beleuchtungsstärke

Die Beleuchtungsstärke ist das Maß für die ortsabhängige Helligkeit (lm/m² – Lumen pro Quadratmeter). Je nach Arbeitsaufgabe muss eine andere Beleuchtungsstärke vorhanden sein. Je besser ein Arbeitsplatz ausgeleuchtet wird, desto besser ist unsere Sehleistung und desto weniger werden unsere Augen belastet.

Die optimale Beleuchtungsstärke ist auch abhängig vom Mitarbeiter. Ältere oder am Sehorgan eingeschränkte Mitarbeiter benötigen eine höhere Lux Zahl (750 – 1500 Lux), als jüngere und gesunde Mitarbeiter (ab 500 Lux).

Arbeitsplätze, wo komplexe und filigrane Tätigkeiten ausgeübt werden, benötigen eine höhere Helligkeit.

Da Lampen mit der Zeit verstauben und verschmutzen und so die Beleuchtungsstärke abnimmt, sollten sie in einem regelmäßigen Rhythmus gewartet und gereinigt werden.

Die folgende Tabelle zeigt Leitwerte für Beleuchtungsstärken in Arbeitsräumen (nach Grandjean, 1991).

Art der ArbeitBeleuchtungsstärke [Lux]Beispiele
grob50-200Lagerräume
mittel200-300Verpackung und Versand, einfache Montagen, beim Drehen, Bohren, Fräsen
fein500-750Lesen, Schreiben, Buchführung, Montage feiner Geräte, feine Arbeiten an Werkzeugmaschinen
sehr fein bis extrem fein1000-2000Technisches Zeichnen, Prüfen, Montage feinster elektronischer Teile

Auf ergo-online.de sind einige gesetzliche Forderungen für die Beleuchtungsstärke von bestimmten Arbeitsplätzen aufgelistet.

Blendung und Reflexion

Direktblendung und Reflexblendung
Direktblendung und Reflexblendung

Durch falsche Beleuchtung am Arbeitsplatz kommt es zur Blendung oder Reflexion. Eine Blendung sollte sollte jedoch aufgrund ihrer negativen Wirkung (Beschwerden an Augen oder Muskel-/Skelett-Erkrankungen durch Fehlhaltungen) immer vermieden werden. Dabei unterscheidet man zwischen einer Direktblendung und Reflexblendung.

Die Direktblendung wird verursacht durch die Sonne oder falsch positionierte Beleuchtungen. Die Reflexblendung wird ebenfalls dadurch erzeugt, jedoch wird das Licht dabei auf dem Tisch oder auf spiegelnden, glatten Oberflächen reflektiert.

Durch die richtige Anordnung des Arbeitsplatzes zur Lichtquelle kann eine Blendung verhindert werden. Achte dabei auf folgende Punkte:

  • Arbeitsplatz parallel zur Fensterfront
  • Lichtquellen seitlich zum Arbeitsplatz anordnen
  • Sonnenschutzmaßnahmen (Jalousie, Ausrichtung des Gebäudes, Anordnung der Fenster)
  • ein Mix aus Tageslicht, künstlichem Licht, indirekter und direkter Einstrahlung
  • reflexionsarme Oberflächen (Möbel, Wände, Schreibtisch, Bildschirme, usw.) verwenden – freundliche, helle Pastelltöne

Bei der Farbgestaltung von Wänden und anderen Oberflächen sollte auch die psychische Wirkung auf uns Menschen beachtet werden (siehe Auszug aus Tabelle nach BAuA, 1999; Grandjean, 1991).

FarbeTemperaturStimmung
Blaukaltberuhigend
Braunwarm bis neutralanregend
Gelbsehr warmanregend
Grünsehr kalt bis neutralsehr beruhigend
Orangesehr warmsehr anregend
Rotwarmaufreizend und beunruhigend
Schwarzneutralberuhigend
Violettkaltaggressiv, beunruhigend, entmutigend
Weißneutralanregend

Lichtfarbe und Farbwiedergabeindex Ra

Die Lichtfarbe wird auch als Farbtemperatur bezeichnet und in Kelvin angegeben. Sichtabers Licht in den Frequenzen von 780nm bis 380nm reicht von den Farben Rot bis Violett. So hat das Tageslicht morgens eher einen bläulichen Ton und abends einen rötlichen. Dies entscheidet über unseren biologischen Rhythmus.

Je höher die Lichtfarbe, desto aktiver der biologische Rhythmus. Jedoch wird eine höhere Lichtfarbe (ca. 6000 Kelvin – tageslichtweiß) von manchen als zu grell empfunden. Neutralweiße Beleuchtungen (ca. 4000 Kelvin) eignen sich auch für Bildschirmarbeitsplätze.

Der Farbwiedergabeindex Ra beschreibt die Qualität der Farbwiedergabe von Lichtquellen. Der Index hängt con der Lichtfarbe und der Lampenart (Leuchtstoffröhre, LED, Glühlampe) ab. Am Büroarbeitsplatz wird beispielsweise ein Index Ra von min. 80 gefordert.

Arten von Lampen für die Beleuchtung am Arbeitsplatz

Energiesparlampen

Energiesparlampen

  • Verbrauchen im Vergleich zur herkömmlichen Glühbirne bis zu 80% weniger Energie
  • Die Betriebsdauer ist etwa 10 mal länger als bei einer Glühbirne
  • Die meisten Energiesparlampen benötigen eine Aufwärmphase bis sie ihre volle Helligkeit erreicht haben (wird immer kürzer)
  • Werden nur bedingt warm – keine Verbrennungsgefahr
  • Kompaktleuchtstofflampen, wie Energiesparlampen auch heißen, sind oft größer als andere Leuchtmittel und passen deshalb nicht in jede Lampe
  • Die Farbwiedergabe kann verfälscht werden – deshalb sollten sie nicht zum Einsatz kommen, wenn es auf die Farberkennung am Arbeitsplatz ankommt
  • Gefährlich für die Umwelt ist der Quecksilberanteil – muss als Sondermüll verwertet werden

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LED Lampen (light emitting diode)

LED Lampen

  • Sehr geringer Energieverbrauch im Vergleich zu den anderen
  • Sehr lange Lebensdauer – teilweise über 50.000 Stunden
  • Werden nicht heiß und hinterlassen keine unschönen Flecken auf der Wand oder Decke
  • LED Lampen sind mit allen gängigen Fassungen zu haben
  • Mittlerweile sind sie in unterschiedlichen Lichtfarben erhältlich
  • LEDs sind widerstandsfähig gegen Vibrationen und Stöße
  • Bei der Entsorgung entsteht kein Sondermüll, wie es bei Energiesparlampen der Fall ist (Quecksilber)
  • Noch sind LED Leuchtmittel relativ teuer in der Anschaffung

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Leuchtstoffröhren

Leuchtstoffröhren

  • Höhere Energieausbeute als herkömmliche Glühbirnen (Lumen pro Watt)
  • Gleichmäßige Beleuchtung, da das Licht über eine große Fläche abgegeben wird
  • Lange Betriebsdauer von bis zu 20.000 Betriebsstunden (verkürzt sich erheblich, wenn die Leuchtstoffröhre häufig ein- und ausgeschaltet wird)
  • Kompaktleuchtstofflampen sind als Energiesparlampen bekannt (siehe oben)
  • Die Farbwahrnehmung ist etwas verfälscht
  • Ein geringer, aber für den Menschen unbedenklicher Anteil von UV-Strahlen wird freigesetzt
  • Muss als Sondermüll entsorgt werden, da Quecksilber enthalten ist

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Halogenlampen

Halogenlampen

  • Halogenlampen brauchen keine Anlaufzeit und sind sofort hell
  • Die Betriebsdauer ist mit etwa 4.000 Stunden nur durchschnittlich
  • Die Farbwiedergabe ähnelt der des Tageslichts und ist deshalb besonders gut
  • Aufgrund der kompakten Bauweise können Halogenstrahler auch dort verwendet werden, wo nur wenig Platz ist – es gilt jedoch zu beachten, dass durch die Betriebsspannung von 12V ein Netzteil untergebracht werden muss
  • Hier wird ebenfalls ein geringer UV-Anteil emittiert
  • Die Lampen können sehr heiß werden – Verbrennungs- und Brandgefahr

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Vollspektrumlampen

Vollspektrumlampen

  • Vollspektrumlampen sind Leuchtstoffröhren und müssen auch als solche behandelt werden (Entsorgung als Sondermüll)
  • Die spektrale Zusammensetzung des Lichts ähnelt der des Sonnenlichts
  • Vollspekrumlampen bzw. Tageslichtlampen wirken positiv auf die Stimmung und können leistungsfördernd sein
  • Die Farbwiedergabe ist sehr gut (Ra 96)
  • Da das Spektrum auch das nicht sichtbare Licht (UV-Strahlen) beinhaltet, kann bei falscher Anwendung Sonnenbrand auf der Haut entstehen

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Defekte oder flimmernde Lampen haben Einfluss auf das Wohlbefinden. Diese sollten schnellstmöglich ausgetauscht werden. Mit der Zeit verstauben Leuchten und verschmutzen Fenster und andere Tageslicht einlassende Elemente. Das Licht büßt erheblich in seiner Qualität ein. Es sollte also ein Wartungsplan dafür aufgestellt werden.

Positive Effekte bei optimalem Licht am Arbeitsplatz

Sind die Lichtverhältnisse ergonomisch, hat dies einen enormen Effekt auf das Wohlbefinden der Mitarbeiter. Ihre Motivation, Konzentration, Leistung, Effektivität und Zufriedenheit steigt, was sich letztendlich auf den Erfolg des Unternehmens auswirkt.

In heutigen Zeiten ist es auch wichtig, sich am Umweltschutz zu beteiligen. Unternehmen haben hier einen gewaltigen Einfluss und besitzen vor allem enorm viel ungenutztes Potenzial. Durch die richtigen Maßnahmen, wird sich der Energieverbrauch gewaltig reduzieren. In vielen Büros beispielsweise, werden immer noch Energie fressende Neonröhren eingesetzt. Durch den Einsatz von Energie sparenden Beleuchtungen wie z.B. LED´s und durch geeignete Regelungsanlagen, die das Licht während des Tages entsprechend dämmen und ans Tageslicht anpassen, kann viel Strom eingespart werden.

Wenn teure Anlagen zur Regelung des Lichts nicht installiert werden können, sollten Mitarbeiter darüber informiert werden, dass sie einen Beitrag zum Umweltschutz leisten und dem Unternehmen helfen, Energie zu sparen, wenn sie die Beleuchtung manuell an die Verhältnisse anpassen.

Licht am Arbeitsplatz hat also enormen Einfluss auf unser Wohlbefinden sowie den Erfolg eines Unternehmens. Es ist essentiell. Vor allem Tageslicht! Jeder einzelne kann selbst dazu beitragen, genügend natürliches Licht aufzunehmen. Z.B, wenn man in den Pausen raus an die frische Luft geht und einen kleinen Spaziergang unternimmt. Jedoch ist es das Unternehmen, das am Arbeitsplatz dafür sorgen muss, dass bei der Beleuchtung ergonomische Verhältnisse bestehen, die vom Mitarbeiter positiv ausgeschöpft werden können.

Eigene Erfahrungen

Ich selbst hatte früher immer das Gefühl des eingeschlossen Seins – Bunkereffekt. Auch deshalb habe ich mich mit dem Thema Licht am Arbeitsplatz und seine Auswirkungen auseinander gesetzt und diesen Artikel geschrieben. Es hat mir damals sehr zu schaffen gemacht, kein Tageslicht abzubekommen und nicht einmal zu sehen, welches Wetter draußen ist. Jedoch sind nicht alle gleich anfällig. Die meisten Kollegen des Großraumbüros haben sich über Jahrzehnte damit abgefunden und an die Gegebenheiten angepasst.