Die deutsche Arbeitsmentalität muss revolutioniert werden

Deutschen wird nachgesagt, dass sie pünktlich, fleißig und penibel sind und ihrer Pflicht immer nachkommen wollen. Was dazu kommt, ist, dass sie in einem Zeitplan gefangen sind und oft unter Stress stehen. Nicht alle Menschen in Deutschland sind so gestrickt, aber die deutsche Arbeitsmentalität hat sich größtenteils so entwickelt.

Wären wir anders eingestellt, wären wir sicherlich nicht da, wo wir wirtschaftlich heute stehen – an der Weltspitze. Was haben wir jedoch davon? Es sind nicht nur Vorteile, die unser Wohlstandsstaat mit sich bringt. Ich würde sogar sagen, es sind hauptsächlich Nachteile, die die deutsche Arbeitsmentalität im Laufe der Zeit entwickelt hat.

Die deutsche Arbeitsmentalität muss revolutioniert werden
Die deutsche Arbeitsmentalität muss revolutioniert werden (CC BY 2.0)

Monochronische Gesellschaft

Deutschland ist ganz klar eine monochronische Gesellschaft. Das bedeutet, dass uns die Zeit und Zeitplanung extrem wichtig sind und wir möglichst effektiv eines nach dem anderen erledigen wollen.

Was dabei raus kommt, können wir an unserer Gesellschaft sehen. Wir erledigen unsere Pflichten mit bestem Gewissen und sind oft auf Perfektion (Vorsicht: einer der fünf inneren Stressverstärker) aus. Wohlstand, wirtschaftliche Erfolge und internationales Ansehen sind die Resultate. Was in erster Linie sehr gut klingt, sollte jedoch auch in einem anderen Blickwinkel betrachtet werden.

Nicht jeder Mensch ist an diese Gesellschaft angepasst. Es gibt viele polychronisch veranlagte Menschen, für die Zeit und Zeitplanung keine so große Rolle spielt. Sie fühlen sich durch die entstandene deutsche Arbeitsmentalität oft nicht verstanden und benachteiligt. Sie sind meist sehr kreativ und wollen sich ihre Zeit selbst einteilen, da sie sich oft Zeit fürs Abschalten nehmen.

Und hier kommen wir schon zum wohl größten Nachteil einer monochronisch ausgerichteten Gesellschaft – Überstunden und Stress, aber kaum Möglichkeiten zum Abschalten.

Pflichtbewusstsein unser Gesellschaft

Ganz klar muss gesagt werden, dass nicht alle Menschen Probleme mit der Anpassung an die deutsche Arbeitsmentalität hat. Es gibt ganz viele, die total in ihrer Arbeit aufgehen, da sie beispielsweise ihre Berufung zum Beruf gemacht haben.

Manche können sich wiederum besser anpassen als andere. Sie legen ihre Bedürfnisse anders fest und sind mit den gegebenen Umständen zufrieden. Vielleicht auch, weil sie allgemein sehr zufrieden mit ihrem Leben sind und außerhalb der Arbeit eine gute Balance für sich selbst gefunden haben – gute Work-Life-Balance.

Was den Deutschen jedoch auch nachgesagt wird, dass wir ein Land von Nörglern sind. Und ich bin mir sicher, dass sich jetzt jeder an die eigene Nase fassen kann, der irgendwann schon einmal über etwas an seiner Arbeitsstelle genörgelt hat. Und jeder kennt einen, der sich ständig über etwas aufregt. Warum ist dies so? Einerseits kann es sein, dass diese Nörgler allgemein unzufrieden mit ihrem Job oder sogar oft mit sich selbst sind. Manchmal genügt es, die eigene Sichtweise und Einstellung zu ändern. Andererseits kann es aber sein, dass nicht ohne Grund genörgelt wird.

Wir alle sehen ein, dass sich etwas ändern muss. Wir alle sehen ein, dass die Entwicklung unserer Arbeitsmentalität nicht nur positiv war. Krankheiten, vor allem psychische Krankheiten, nehmen seit ein paar Jahren immer mehr zu. Woran liegt dies?

  • Immer mehr Zeitdruck und Stress
  • Immer mehr in kürzerer Zeit erledigen (Effizienzsteigerung)
  • zunehmende Datenflut
  • fehlende Balance zwischen Arbeit und Privatleben
  • Die Aussage “Stillstand ist Rückstand”
  • Quantität statt Qualität
  • Pflichtbewusstsein der Menschen

Und hier liegt meiner Meinung nach das Problem – am Pflichtbewusstsein. Viele denken, ohne sie ginge es nicht. Deshalb geht man zur Arbeit, auch wenn man morgens mit 39 Grad Fieber aufgewacht ist. Aus Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, möchte man unbedingt seine Pflichten nachkommen. Auch der steigende Druck, immer mehr in immer kürzerer Zeit zu erledigen und zu produzieren muss man unbedingt schaffen.

Dass man sich so in einer Teufelsspirale des Gesamten befindet, sehen die wenigsten.

Wie wird es mit uns weiter gehen?

Ich bin aus der Generation Y – ein kleiner Revoluzzer also ;-). Typisch für Menschen aus dieser Generation ist, dass sie Dinge und Gegebenheiten hinterfragen. So ging es auch mir immer auf meinem alten Arbeitsplatz.

In einem Unternehmen, das sehr starre Strukturen und Hierarchien besitzt, ist es jedoch sehr schwierig als einzelner etwas zu hinterfragen und Aufmerksamkeit zu bekommen. Die häufigsten Antworten waren immer:

Das funktioniert doch. Warum sollten wir daran etwas ändern?” oder “Das war schon immer so…

Wenn immer alle mit dem Strom mitgehen und alles über sich ergehen lassen, wird sich nie etwas ändern. Es braucht also kritische Menschen, die sich auch trauen, das bestehende System offen und direkt zu kritisieren und Lösungen zu erarbeiten. Immer im Hintergrund zu nörgeln, verändert nichts an der Lage. Im Gegenteil, es macht sie eher noch schlimmer.

Ängste, wie der Verlust des Arbeitsplatzes, sind jedoch nicht zu verharmlosen. Ich verstehe es, wenn jemand Familie zuhause hat und womöglich noch ein Haus oder Sonstiges abzahlen muss und deshalb meistens “Ja und Amen” sagt und sich dem Druck ergibt. Aber dennoch sollte es angebracht sein, offen über Probleme mit seinen Vorgesetzten zu sprechen. Ganz viele der Vorgesetzten wären sicher darüber dankbar, wenn mehr Feedback von ihren Mitarbeitern kommen würde. Auch kritisches Feedback. Wenn Probleme nie angesprochen werden, können sie auch nicht gelöst werden.

Was den einen nicht stört, kann aber den anderen stören oder belasten (obwohl wir gleich beansprucht sind, können wir unterschiedlich belastet sein). Hier sollte sich niemand zu schade sein und darauf bestehen, angehört und ernst genommen zu werden!

Unternehmen, die ihre Mitarbeiter deswegen schlechter behandeln, weil sie auf Probleme und Belastungen aufmerksam machen, werden künftig immer mehr Probleme bekommen, qualifizierte Mitarbeiter einzustellen. Diese werden sich nämlich nur bei Firmen bewerben, die ein gutes Image nach außen haben. Und ein Unternehmen, das seine Mitarbeiter nicht ernst nimmt, wird sich schnell rumsprechen.

Fazit

Wir arbeiten, um zu leben und nicht anders rum! Sprüche, wie “wir sind nicht auf der Flucht, sondern auf der Arbeit!” haben durchaus ihre Berechtigung.

Lass dich also nicht mehr so hetzen und bleib zuhause, wenn du krank bist.

Wenn wir weiterhin dem Druck und den Vorgaben immer gerecht werden wollen, schaden wir letztendlich nur uns selbst. Wenn Kritik angebracht ist, sollte sie offen diskutiert werden. Nörgeln im Hintergrund führt zu nichts, außer zu schlechter Stimmung bis hin zu psychischen Krankheiten.

Gehen wir es an und revolutionieren die deutsche Arbeitsmentalität. Ein bisschen mehr Lockerheit, weniger Zeitdruck und letztendlich weniger Stress würde uns allen gut tun. Wir sind die wichtigste Person in unserem Leben und unsere Gesundheit ist unser wichtigstes Gut. Also hören wir mehr auf uns und unsere Gesundheit.

Was passiert, wenn unser Unternehmen, in dem wir arbeiten, stagniert oder weniger Gewinn erzielt? Ja, das Leben geht trotzdem weiter…

Über Stefan Reinsprecht 50 Artikel
Ich habe Maschinenbau studiert und eine Weiterbildung zum Gesundheitsmanager gemacht. Während meiner Zeit als Konstrukteur und Entwickler hatte ich viel mit Ergonomie zu tun.

7 Kommentare

  1. Wenn das zentrale Problem das Pflichtbewusstsein ist – wozu brauchst Du dann eine Revolution? Und wenn Du eine R. anzetteln willst, hin zu mehr Wertschätzung, wozu dann ein Wort wie „monochronisch“, das keiner von denen, die Du mobilisieren willst, in seinem Wortschatz hat? Wenn die Firma dicht macht, ist die Arbeitsmentalität eh egal… und das Leben geht weiter?

    Natürlich ist eine stressarme, stabile Arbeitsumgebung wichtig und die Gesundheit allemal – nur sehe ich nicht den Weg dahin – und auch nicht, in welche Richtung Du gehen würdest.

    • Danke für Deinen Kommentar, Klaus-Peter.
      Ohne das Wort „monochronisch“ könnte ich nicht das rüber bringen, was ich möchte. Beispielsweise die Erklärung, warum wir so pflichtbewusst sind bzw. warum es unsere Gesellschaft ist. Monochronisch muss aber keiner in seinem Wortschatz haben.

      Die Überschrift der Revolution ist provokativ. Das soll sie aber auch sein, um genau die Leute zu erreichen, die ich gerne damit erreichen möchte. Es geht darum, dass man sich nicht alles gefallen lässt. Dass man sich nicht kaputt arbeitet. Dass man sich auch mal wehrt. Das Thema Entschleunigung ist mir dabei wichtig.
      Dass dies mit meinem Artikel wohl nicht von heute auf morgen umgesetzt wird, ist mir natürlich klar. Aber wenn alle nur hinschauen und keiner was dagegen tut, wird sich nie etwas ändern. Deshalb möchte ich einen Teil zur positiven Veränderung beitragen.

  2. Die „deutsche Pünktlichkeit“ resultiert wahrscheinlich aus der Industrialisierung und dem Eisenbahnwesen – dabei spielte T&N, Telefonbau und Normalzeit, eine Rolle, denn von denen stammten die Bahnhofsuhren mit dem roten Sekundenzeiger, der immer auf der 59 verharrte, um dann deutschlandweit synchron, signalgesteuert , weiterzuspringen.
    Bei aller Pünktlichkeit ist es aber bei der Bahn noch menschlich zugegangen, und die „Bahner“ waren gefühlt eine Familie, bis die Zeit der „Rationalisierungen“ kam.

    Es gab auch – in den 60-ern oder 70-ern, die Parole „Mut zur Muße“. Die dazugehörigen Argumente sollte man mal wieder hervorkramen.
    Von einer Revolution hatte ich neulich auch gebloggt, Mit der Absicht, Aufmerksamkeit zu erzeugen – aber der Begriff ist schon längst verwässert.
    http://portionsdiaet.de/diaet-reflexion/die-10-revolutionaren-ernahrungsrichtlinien-aus-brasilien
    Dieses „einen Teil zur positiven Veränderung beitragen“ – das finde ich auch wichtig. Und jede Menge Denkanstösse lieferst Du ja, Danke auch dafür!

    • Das freut mich, dass Du es auch so siehst, dass man zur positiven Veränderung beitragen sollte, wenn man die Möglichkeit besitzt.

      Die „Bahner“ bremsen das System ja gerade gewaltig. Jedoch leider nicht mit dem Hintergrund, den ich im Artikel genannt habe.

      Wie gesagt, wären wir durch die industrielle Entwicklung und unserer daraus resultierenden Arbeitsmentalität nicht da, wo wir heute stehen. Aber ich bin mir sicher, dass heutzutage nur wenige davon profitieren. Deshalb auch die Erwähnung von monochronisch und polychronisch veranlagten Menschen.

      Es würde mich freuen, wenn ich einigen damit ein paar Denkanstöße mitgeben könnte.

  3. Auf den ersten Blick mag der Artikel interessant sein, Schaut man jedoch genauer hin, handelt es sich um einen Artikel der vor Behauptungen nur so strotzt, Insbesondere die Untermauerung mit dem Wort „viele“, wenn der Blogger seine Aussage stützen möchte ohne jedoch Quellen zu haben, wirkt schon ein wenig Boulevard. Ich erwarte von jemanden der studiert hat und der damit auch wissenschaftlich arbeiten kann, die grundlegendste aller Ketten beim Verfassen von Texten. Behauptung -> Begründung -> Beleg (und nein, imgriff ist keine hochwertige Quelle sondern auch B-Ware). Sehr schade, ich habe mehr von dem Artikel erwartet, da er eine Menge Potenzial hat und dem Leser einen echten Mehrwert liefern kann. Gerade Mehrwert wird in der heutigen Zeit von Bloggern dank „Nischen- und Geldgeilheit“ kaum noch geliefert. Ich hoffe die Kritik fühlt sich nicht zu destruktiv an, da das geschriebene Wort oft „gemeiner“ verstanden wird als es soll. 🙂 Mit besten Grüßen!

    • Danke Micha für Deinen Kommentar.
      Nein, ich nehme ihn nicht als destruktiv hin.

      Schade, dass er Dir gar nicht zusagt. Anscheinend interessiert Dich das Thema, sonst hättest Du Dir sicherlich nicht die Mühe gemacht, Kritik zu äußern. Ja, ich habe studiert. Das heißt aber nicht, dass jeder Artikel, den ich veröffentliche, wissenschaftlich verfassen werde. Welchen Nutzen haben meine Leser davon, wenn sie einen langweiligen Text lesen, der außerdem noch teilweise unverständlich geschrieben wurde?

      Mit dem Artikel wollte ich natürlich auch ein wenig provozieren. Es ist meine eigene Meinung, die ich mit eigenen Erfahrungen belegen kann. Dafür brauche ich keine Studien oder Umfragen. Dafür ist ein Blog aber auch da, um die Meinung kund zu geben.

      Ich würde mich aber freuen, wenn Du mir Vorschläge gibst, wie der Artikel echten Mehrwert bekommen könnte. Ich bin offen für Ideen und würde den Artikel auch gerne anpassen bzw. erweitern.

      Viele Grüße Stefan

  4. Viele Menschen haben noch nicht erkannt,
    dass es auch funktioniert wenn wir mal einen Gang runter schrauben.
    Das gleiche Problem sehe ich an meinem Arbeitsplatz. Es wird immer mehr Personal eingespart bei gleichbleibender Auftragslage. Somit ist man gefordert Mehrarbeit zu leisten um die Fehlenden Mitarbeiter zu kompensieren.

    Den Spruch “Das haben wir schon immer so gemacht.” habe ich auch schon zu genüge gehört. 🙂

    toller Beitrag!

    Gruß Stephan

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