Bürokrankheiten

Oft wird man als Sesselpupser bezeichnet. Man würde ja nicht viel mehr tun, als Kaffee zu trinken. Wer im Büro arbeitet, weiß jedoch, dass das natürlich (meistens) nicht ganz ernst gemeinte Vorurteile sind. Der menschliche Körper ist dort sogar angewiesen, Höchstarbeit zu verrichten. Warum? Weil wir einfach nicht für das ständige Sitzen geschaffen. Beruflich bedingte Krankheiten, die sogenannten Bürokrankheiten sind deshalb leider keine Seltenheit.

Die 10 häufigsten Bürokrankheiten

  1. Muskel-Skelett-Erkrankung

    Auch unter den typischen Bürokrankheiten liegen die Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems an vorderster Stelle. Schlecht ausgestattete sowie an den Mitarbeiter angepasste Arbeitsplätze, langes, falsches Sitzen, als auch Bewegungsmangel sind nur einige Gründe dafür. Sie zählen jedoch zu den schwerwiegendsten.

    Einige Unternehmen haben immer noch nicht erkannt, wie wichtig ergonomische Arbeits- und Hilfsmittel sind. Auch im Büro. Der Arbeitsplatz muss sich individuell an den Mitarbeiter anpassen lassen. Nicht anders herum. Hierzu zählt auch das Raumklima und die Beleuchtung am Arbeitsplatz. Ungünstige Gegebenheiten zwingen Büroangestellte oft zu Zwangshaltungen. Auf Dauer führen auch diese zu Muskel-Skelett-Erkrankungen und somit zu Fehlzeiten, die verhindert werden hätten können.

    Übrigens: Auch ein ergonomischer Bürostuhl oder Schreibtisch kann zu Beschwerden führen. Nämlich dann, wenn er aufgrund ungünstiger Einstellung oder fehlender Information falsch angewendet wird.

  2. Psychische Krankheiten

    Der Chef fordert immer mehr und oft auch in kürzerer Zeit, der Stress wird immer belastender und natürlich weiß man, dass man ganz schnell ersetzbar ist. Es gibt viele belastende Faktoren (auch Unzufriedenheit im Job), die der eigenen Psyche sehr zusetzen können. Jeder geht anders damit um. Die einen sind resistenter als die anderen. Einige belasten sich durch ihr individuelles Verhalten und ihre Einstellung sogar zusätzlich. Dass psychische Krankheiten wie Depression oder Burnout auf dem Vormarsch sind, wissen heutzutage die meisten.

    Solche Erkrankungen schleichen sich leider meist langsam ein. Betroffene merken lange nichts davon. Bis es dann zu spät ist.

  3. Atemwegserkrankungen

    Eine Erkältung oder Husten hat jeder von uns mal. Geht der Husten jedoch in eine Bronchitis über, darf dies nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Nicht immer sind die Gegebenheiten im Büro schuld für solche Erkrankungen. Jedoch sind einige auch nicht gerade förderlich für die Gesundheit.

    Hierbei spielt vor allem das Raumklima eine Rolle. Speziell die Lufttemperatur, -feuchtigkeit und -qualität. Das Problem ist, dass jeder Mensch ein eigenes Wohlfühlklima besitzt. Man kann es, wie so oft, nicht jedem Recht machen. Wird das Klima jedoch an die vorgegebenen Richtwertbereiche angepasst, werden es die meisten als angenehm empfinden.

  4. Erkrankungen des Verdauungssystems

    Unsere zweites Gehirn, unser Verdauungssystem, wird immer anfälliger für Erkrankungen. Der ausschlaggebendste Grund dafür ist wohl unsere westliche Lebensweise. Aber auch unsere Arbeitsweise im Büro kann krankheitsförderlich sein. Wir sitzen viel und bewegen uns nur sehr wenig. Beim meist statischen Sitzen drücken wir unseren empfindlichen Bauch, wo unser Verdauungssystem sitzt, an die Tischkante. Dadurch wird der Darm oft gequetscht. Hinzu kommt oft eine verschlechterte Durchblutung während unserer sitzenden Tätigkeit. Außerdem essen viele unregelmäßig und zudem die falschen Dinge. Eigentlich kein Wunder, weshalb viele über Verdauungsprobleme klagen.

  5. Kopfschmerzen (Spannungskopfschmerzen)

    Im Büro treten vor allem die Spannungskopfschmerzen auf. Die Gründe für Kopfschmerzen sind vielseitig. Oft sind jedoch Zwangshaltungen am Arbeitsplatz schuld. Dadurch kommt es zu Verspannungen, die letztendlich die Schmerzen auslösen können.

    Eine richtige, ergonomische Arbeitshaltung, mehr Bewegung und genügend Trinken können relativ schnell Wunder bewirken.

  6. Herz-Kreislauf-Erkrankung

    Physische wie auch psychische Belastungen am Büroarbeitsplatz können zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Viele leiden aufgrund des Bewegungsmangels und der statischen, sitzenden Arbeitshaltung an Übergewicht. Dies tritt nicht selten in Verbindung mit Bluthochdruck auf. Ein erstes Warnzeichen, dass etwas nicht stimmt.

  7. Karpaltunnelsyndrom

    Das Karpaltunnelsyndrom ist eine Schädigung des Mittelarmnervs. Er ist zuständig für die Empfindlichkeit in Daumen, Zeigefinger und zum Teil auch Mittelfinger. Betroffene klagen meist über ein Kribbeln und Taubheitsgefühl in diesen Fingern bzw. der ganzen Hand. Die Beschwerden gehen so weit, dass ein Bedienen der Maus und Tastatur unmöglich werden.

  8. RSI-Syndrom

    Das Repetitive Strain Injury Syndrom (kurz: RSI-Syndrom) erzeugt Schmerzen an Sehnen, Muskeln und Gelenke des Arms. Bei manchen sind diese nur in den Fingern spürbar, bei anderen strahlen diese bis in den Schulter- und Nackenbereich. Die Symptome sind ähnliche wie beim Karpaltunnelsyndrom. Jedoch ist es schwieriger, die Krankheit zu diagnostizieren. Man weiß oft nicht, wo die Ursache liegt.

    Mit einer ergonomischen Maus und ergonomischen Tastatur kann man der Bürokrankheit vorbeugen.

  9. Müde oder trockene Augen – Büroaugen-Syndrom

    Langes und konzentriertes Arbeiten vor dem Bildschirm ist Höchstleistung für unsere Augen. Hinzu kommt womöglich noch ein schlechtes Raumklima. Die Augen trocknen dadurch mit der Zeit aus, fangen an zu brennen und letztendlich auch an zu schmerzen. Trockene Augen können im schlimmsten Fall die Hornhaut empfindlich beschädigen, was zu einer Fehlsichtigkeit führt.

    Um dem Büroaugen-Syndrom vorzubeugen ist vor allem ein ergonomischer Bildschirm wichtig. Dieser muss auf die eigenen Bedürfnisse hin positioniert werden. Außerdem empfiehlt es sich, regelmäßig Bildschirmpausen einzulegen. Dabei können verschiedene Augenübungen gemacht werden (Augen zusammen kneifen, in die Ferne schauen, etc.). Wichtig ist auch, immer genügend Flüssigkeit aufzunehmen.

  10. Chronische Müdigkeit

    Wer ständig müde ist, kann sich bei der Arbeit nicht wirklich konzentrieren. Die Gründe für chronische Müdigkeit beziehen sich meist nicht nur auf den Arbeitsplatz. Aber die hier herrschenden Bedingungen können eine solche begünstigen. Schlechte Luftqualität, d.h. wenig Sauerstoff in der Luft führen zwangsläufig dazu, dass man müde wird. Oft wird dies durch eine schlechte Arbeitshaltung und psychischer Belastung zusätzlich verstärkt.

    Auch hier ist es wichtig, regelmäßig Pausen einzulegen. Und, diese sinnvoll zu nutzen. Bewegung und frische Luft sind genau das richtige.

Über Stefan Reinsprecht 50 Artikel
Ich habe Maschinenbau studiert und eine Weiterbildung zum Gesundheitsmanager gemacht. Während meiner Zeit als Konstrukteur und Entwickler hatte ich viel mit Ergonomie zu tun.

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